Allgemein

Nachts halb eins in Deutschland…

… liegst du gerade selig schlafend im Bett eines Vier-Sterne-Hotels. Und was passiert? Die Sirene geht los. Alarm!
Genau das ist uns letzte Nacht widerfahren. Ich war wie nix aus dem Bett, sagte zu meinem Mann, dass wir hier raus müssen und begann sehr hektisch und ein wenig konfus, mir etwas überzuziehen. Minusgrade erwarteten uns draußen…
Mein Mann tat es mir gleich, nur vielleicht nicht ganz so hektisch wie ich. Von außerhalb unseres Zimmers hörten wir außer der Sirene nicht viel. Jemand war wohl schneller als wir und schon auf dem Weg nach draußen. Der Teppichboden im Gang verschluckte die meisten Geräusche.
Tasche, Handy und den Autoschlüssel noch schnell an uns gerissen, verließen wir das Hotelzimmer und machten uns zügig auf den Weg nach draußen. Treppenhaus, eine Etage nach unten, durch den großen Gastraum, an der Rezeption vorbei. Dort war jemand gemächlich hinter dem Tresen zugange, ohne den Kopf zu heben, geschweige denn, irgend etwas zu sagen. Einige Leute hatten sich bereits in der Nähe dieser Rezeption eingefunden und warteten dort. Draußen war es ja schließlich kalt.
Wir gingen vor die Tür. Dort waren wir nicht ganz allein. Ein paar Raucher standen auch schon da herum. Drinnen rauchen is ja nicht…
Seit die Sirene losgegangen war, waren jetzt bestimmt schon fünf Minuten vergangen. Ungefähr weitere fünf Minuten warteten wir draußen. Völlig ratlos, was los war, und sehr überrascht, dass niemand auch nur andeutungsweise einer Routine bei einem Feueralarm folgte.
Als nach guten zehn Minuten noch immer nichts geschah und weder Feuerwehr noch Polizei auf der Bildfläche erschienen, taten wir es den anderen gleich und gingen zumindest wieder in das Hotel in die Nähe der Rezeption.
Der Nachtportier (der da gute fünf Minuten vorher ganz gelassen irgend welche Papiere hin und her geschoben hatte) hatte weder eine Idee, noch einen Plan, was seine Aufgabe in dieser Situation wäre. Jetzt war es an uns Hotelgästen, ihm zu sagen, dass er doch mal die Feuerwehr anrufen müsse – schon allein, um zu fragen, warum diese noch nicht in Erscheinung getretren war. Da er sich noch immer keinen (anderen) Rat wußte, tat der Portier, wie ihm geheißen. Er erklärte in den Telefonhörer, dass der Brandalarm im Hotel ausgelöst hatte und nahm zur Durchgabe der Anschrift eine Visitenkarte zu Hilfe. Auf eine Frage von der anderen Seite der Verbindung antwortete er, dass er (der Portier) sich zwar keine Sorgen mache, die Hotelgäste hingegen schon. Das war der Hammer!
Wenige Minuten später erschienen Feuerwehr und Polizei. Ein paar Feuerwehrmänner machten sich daran, in den einzelnen Zimmern nachzusehen, ob sich Gäste darin befanden, eventuell auch nach einem Brand zu schauen? und den auslösenden Punkt in der Brandmeldeanlage zu finden. Nach weiteren Minuten wurde der Portier geben, zu diesen Männern in den ersten Stock hinauf zu kommen. Was dort besprochen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
Einer der Polizisten und auch ein Feuerwehrmann öffneten im Rezeptionsbereich den Schrank mit der Steuerung für die Alarmanlage und suchten vermutlich nach dem Aus-Knopf. Informationen wurden über die Funkgeräte ausgetauscht. Der Portier erschien wieder hinter seinem Tresen und beantwortete Polizei und Feuerwehr ein paar Fragen.
Seine Personalien wurden aufgenommen und er mußte der Feuerwehr ein Protokoll unterzeichnen und mit dem Hotelstempel versehen.
Irgendwann hatten die Feuerwehrleute dann den Melder ausfindig gemacht, der den Fehlalarm ausgelöst hatte. Denn zu dieser Erkenntnis war man zumindest nun gekommen. Es war ein Fehlalarm. Nach etwa einer halben Stunde trat alarmtechnisch endlich wieder Ruhe ein und das Abziehen von Polizei und Feuerwehr nahmen wir Hotelgäste zum Anlaß uns wieder auf unsere Zimmer und in unsere Betten zu begeben. Das Wiedereinschlafen war nicht leicht, denn das Kopfkino war noch eine ganze Weile in vollem Gang. Da waren offene Fragen: Was wäre, wenn?
– Was wäre uns im Ernstfall passiert?
– Warum war die Alarmanlage nicht direkt bei der Feuerwehr augeschaltet???
– Warum hatte der Nachtportier nicht den geringsten Schimmer, wie er sich im Fall eines Alarms zu verhalten hat?
– Warum wurde keine Zählung der versammelten Hotelgäste durchgeführt, um heraus zu finden, ob sich noch Personen im Haus/auf ihren Zimmern befanden?
– Warum tauchte kein weiteres Hotelpersonal und/oder der Betreiber des Hotels auf?
– Warum blieben die meisten Hotelgäste im Hotel, statt sich davor zu versammeln?
– Warum hat sich kein Mensch darum geschert, ob es sich um einen Ernstfall handelt?

Fragen über Fragen und keine Antworten. Und wir haben noch zwei Nächte vor uns.
Aus diesem Grund wünsche ich zuerst einmal uns selbst eine gute (und hoffentlich ereignislose) Nacht.

10 Kommentare zu „Nachts halb eins in Deutschland…

  1. Ich denke mal das war blinder Alarm und ist nicht zum ersten Mal passiert, darum war das alles wohl“halb so schlimm“. Aber das geht garnicht, es kann ja auch mal kein Fehlalarm sein und da muß man als Portier schon wissen was zu tun ist. Einfach Verantwortungslos. Kann man da ein Teil von der Rechnung abziehen, denn erholsam war diese Nacht ja wirklich nicht.

    Liken

    1. Liebe Biene, der gesamte Ablauf war mehr, als besorgniserregend, da nichts, aber auch gar nichts funktioniert hat. Man kann gar nicht froh genug sein, dass es sich um einen Fehlalarm gehandelt hat.
      Das Schlimmste war im Nachhinein für mich, dass der Alarm nicht automatisch zur Feuerwehr gekoppelt war. Das muss er aber immer sein in einem Hotel. Nicht auszumalen, wenn es tatsächlich gebrannt hätte…
      Hotelbetreiber und Nachtportier werden sich sicher beide verantworten müssen.

      Liken

  2. Ach Berta, das tut mir leid. Ausgerechnet in meiner Heimatstadt musste Euch das passieren.
    Den trotteligen Portier hätte ich mir gleich geschnappt und ihn gefragt ob er überfordert wäre, der nächste Gang wäre der zum Hotelmanager gewesen. DAS HÄTTE ALARM GEGEBEN!
    Ich hoffe Ihr konntet auch positive Erfahrungen machen und Schönes erleben.
    Liebgrüßle
    Rika

    Liken

    1. Bei dem Temperament, das ich dir zutraue, liebe Rika, hättest du denen sicher umgehend Feuer unter den Arsch gemacht. 😆
      Nach dieser Nacht war alles positiv in deiner Heimatstadt, die mir übrigens sehr gefällt. Für´s Wetter kannst du ja nichts. 😉
      Wir waren vor zwei Jahren schon einmal da, übrigens im gleichen Hotel. Und wir werden auch wieder kommen. 🙂

      Gefällt 1 Person

    1. Nun, wir waren schon erst einmal geschockt und dann ein paar Tage recht nachdenklich. Allerdings haben wir uns unseren Kurzurlaub nicht von diesem Vorfall verderben lassen und die Tage dennoch genossen. 🙂

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s