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Xaver – der unter anderem auch Sven heißt

Die Hochs und Tiefs haben in anderen Ländern andere Namen – auch wenn sie das nicht unbedingt gutmütiger oder sympathischer macht.

Xaver hieß in Schweden Sven. Und jetzt ist er ja weg. Gut so.
Er hat auch hier ordentlich gewütet und leider zwei Seemänner das Leben gekostet, die vor Ystad über Bord gegangen waren. Ein paar Dächer und Fassaden wurden zerstört. Die vielen Stromabbrüche und entwurzelten Bäume sind ja schon fast als normal zu bezeichnen und kaum erwähnenswert.

Wir selbst hatten Glück. Wir wohnen nicht so nah an der Küste. Die Sturmböen waren hier etwas schwächer. Der Schnee hatte seinen Weg nach unten gefunden und die heimtückische Glätte auf den Straßen ebenso heimtückisch überdeckt. Der Strom war abends und nachts gute zehn Mal weg – allerdings nie länger als eine halbe Minute. Also alles mehr oder weniger im Grünen Bereich – da wo es nicht inzwischen schneeweiß war :)) .

Ich – der frühe Vogel – war gestern noch früher zugange, da ich ja nieniemals zu spät zur Arbeit komme… Die Straße war bereits gepflügt, was mich schon mal beruhigt hatte. Ich kam allerdings vorerst nicht weiter, als etwa drei Kilometer, denn ein quer über die Straße „hängender“ Baum versperrte mir den Weg. Ich wäre rein theoretisch darunter hindurch gekommen, habe das praktisch aber nicht riskiert, da ich die herabhängenden Zweige berührt hätte und genau das vielleicht der Auslöser für den endgültigen Niederfall der Fichte gewesen wäre. Dann aber vielleicht auf mein Auto und mich. Nee, lebensmüde bin ich nicht!
Aber irgendwie bekloppt schon. Zu diesem Schluß bin ich später selbst gekommen. Warum sonst bin ich nicht einfach wieder heim gefahren und habe meine Fahrt zumindest ein paar Stunden aufgeschoben?!
Nein, ich habe gewendet und einen anderen, langen Umweg genommen, den ich zuvor noch nie gefahren bin. Noch dazu im Dunkeln und bei Glätte. Nach wenigen Kilometern leuchtete meine Tankanzeige. Tags zuvor hatte ich mir das Tanken erspart, weil ich auf den horizontalen Regen und den starken Wind keinen Bock hatte. Wäre auch alles kein Problem gewesen ohne den Umweg… Aber auch so wußte ich, daß ich ohne Probleme bis zur nächsten Tankstelle kommen würde. Während meiner langen Reise zur Arbeit saß ich ziemlich angespannt hinter dem Lenkrad. Die Kurven, die Glätte und die vielen Bäume, die der immer noch sehr starke Wind in teils beängstigender Bewegung hielt, machten mir Sorge. Nichtsdestotrotz hatte mein Hirn immer noch Zeit an andere Dinge zu denken. Zum Beispiel an mein Portemonnaie. Hatte ich das eigentlich gestern abend nach der Internet-Bezahlung wieder in meine Tasche gesteckt? Meine suchende rechte Hand beantwortete mir diese Frage mit einem klaren Nein. Sch*** !
Ich mußte also ohne Tanken bis zur Arbeitsstelle kommen. Sollte aber auch nicht so schlimm sein, denn die Tankanzeige beginnt ja nicht auf den letzten Drücker zu leuchten. Aber auf dem Heimweg müßte ich dann unbedingt tanken. Sonst…
Also überlegte ich mir schon mal, welchen Kollegen ich „anpumpen“ würde. Der Gedanke war mir zwar unangenehm, aber es half ja nichts.
Ich war trotz aller Widrigkeiten eine Viertelstunde vor Arbeitsbeginn am Platz. Der Parkplatz war wirklich schweineglatt. Glücklicherweise hatte ich schon vor gut zwei Wochen meine Schuhspikes ins Auto gelegt. Ohne die wäre ich völlig verkrampft zum Eingang geeiert.
Der Arbeitstag benahm sich dann auch ziemlich rüpelhaft. Probleme, Probleme, die es zu lösen galt. Gereizte, gestresste Personen rundherum. Ständig ging irgendwas schief. Irgendwie ein ziemlicher Sch***tag. Obwohl es noch nicht Freitag, der Dreizehnte war.

Aber natürlich gab es auch Lichtblicke zwischendurch. Ein lieber Kollege hatte mich schon gefragt, ob er mir was leihen solle, da hatte ich noch nicht mal zu Ende erzählt. Und die hundert Kronen, um die ich mit gerötetem Antlitz gebeten hatte, hat er, ohne mit der Wimper zu zucken, einfach in fünfhundert umgewandelt. Das Tanken war zumindest gesichert. Dachte ich jedenfalls…

Als ich nachmittags mit leichten Herzrhythmusstörungen endlich ohne vorzeitigen Stopp an der Tankstelle ankam, mußte ich erst mal überlegen, wie man eigentlich mit Bargeld tankt. Das mache ich nämlich sonst nie. Mir war so, als müßte man erst im Kiosk bezahlen und könnte dann für diese Summe tanken. Also ging ich hinein und brachte dem Tankstellenmann mein Anliegen vor. Der antwortete mir mit: „Geht nicht!“ Hä??? Hatte ich mich so unklar ausgedrückt? Geld – Tanken? Tanken – Geld? Was war daran mißzuverstehen? Nichts.
Er sagte mir nochmals, daß Tanken mit Bargeld nicht ginge. Nur Kartenbezahlung. Punkt.
Ich ging völlig ratlos und verstört aus dem Kiosk zu meinem Auto und dachte nur: Was in aller Welt mach ich denn nun? Ich komme doch jetzt nicht mehr bis nachhause?!
Die Frau, die nach mir den Kiosk betreten hatte, lief mir hinterher und fagte mich, ob ich Probleme hätte. Ich hatte nichtmal sofort registriert, daß sie mit mir sprach… Ich erklärte ihr mein Problem. Darauf fragte sie ohne Umschweife, ob ich nicht auf ihre Karte tanken und ihr dann das Bargeld geben wolle. Das fand ich so ausgesprochen nett und die Idee war ja geradezu genial in diesem Moment. Ich war richtig baff. Wenn weniger in meinen Tank passe, als dieser Fünfhunderter, dann könne sie mir die Differenz in bar zurückgeben. Gesagt, getan. Die Füllung paßte dicke in meinen Tank. Jetzt konnte ich beruhigt nach Hause fahren. Und glücklich.
Denn das war ich. Ein Sch***tag, den mir ein paar Menschen mit für sie ganz selbstverständlichen Gesten und Hilfeleistungen mehr als gerettet hatten. Auch wenn ich selbst ein ebenso hilfsbereiter Mensch bin – es ist nicht selbstverständlich daß wir alle so mit unseren Mitmenschen ungehen. Leider.
Dabei sagt man doch: „Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.“